Der Zentralfriedhof

Der Zentralfriedhof ist nicht nur Wiens größter Friedhof, sondern findet sich auch auf der Liste der größten Friedhöfe weltweit, wenn man nach der Anzahl der Begrabenen geht. Es ist also nicht weiter erstaunlich, dass der Zentralfriedhof zu einer der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Wiens geworden ist. Einheimische lieben es, in der Stille der enormen Fläche spazieren zu gehen und über Gott und die Welt nachzudenken; für Touristen ist die riesige, parkähnliche Anlage mit ihren perfekt angeordneten und gut gepflegten Gräbern ein Fixpunkt ihrer Wienreise.

Photo: Bwag/Wikimedia

Übersicht

Der Zentralfriedhof, der zu Allerheiligen 1874 eröffnet wurde, liegt im Bezirk Simmering im Süd-Osten von Wien. Auf einer Fläche von 2,5 km2 befinden sich 330 000 Gräber. Und so liegen hier mit über 3 Millionen Begrabenen mehr Menschen, als Wien Einwohner hat.

Einer der bemerkenswertesten Aspekte dieses Friedhofs ist, dass er konfessionsübergreifend ist. Die Begräbnisstätte steht Angehörigen aller Religionen offen und ist in eine Vielzahl von Untergruppen gegliedert: zusätzlich zu den katholischen Bereichen (die flächenmäßig den Großteil des Platzes belegen), gibt es evangelische und christlich-orthodoxe (Russisch, Rumänisch, Koptisch, etc.) Areale, sowie zwei jüdischen Friedhöfe, muslimische und mormonische Bestattungsplätze, sowie Europas ersten buddhistischen Friedhof.

Ein Detailplan des Friedhofes kann hier gefunden werden.

Ehrengräber

Der Zentralfriedhof ist, unter anderem, für seine Ehrengräber, in denen Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Politik begraben liegen, bekannt. Einige der letztgenannten finden an einem anderen speziellen Platz ihre letzte Ruhe, und zwar in der Präsidentengruft.

Für die meisten Besucher ist es jedoch eine andere Berufsgruppe, die besonders interessant ist: Österreichs berühmteste Komponisten (Gruppe 32A). Viele der heute am Zentralfriedhof begrabenen musikalischen Genies wurden erst später in ein Ehrengrab verlegt und haben daher in manchen Fällen zwei offizielle Begräbnisstätten. Wenn man diesen manchmal etwas verwirrenden Umstand außer Acht lässt, kann man unter den begrabenen Komponisten fast jeden finden, der in der klassischen Musik Rang und Namen hat(te):

Johannes Brahms (1833 – 1897)

Photo: Invisigoth67/Wikimedia

Der in Deutschland geborene Komponist, Pianist und Dirigent der Romantik verbrachte den Großteil seiner Karriere in Wien. Er wird gerne in einem Atemzug mit Komponisten-Superstars wie Johan Sebastian Bach oder Ludwig van Beethoven genannt, wenn es um Talent und Status geht und hat zu Recht seine letzte Ruhestätte in Grab 26 von Wiens schönstem Friedhof gefunden.

Franz Schubert (1797 – 1828)

Photo: Rüdiger Wölk, Münster/Wikimedia

Der österreichische Komponist der späten Klassik und frühen Romantik hat einen unfassbaren Werkkatalog hinterlassen. Vor seinem frühen Tod mit nur 31 Jahren hat Schubert unter anderem zwölf Opern, neun Symphonien und über sechshundert Lieder geschrieben. Die bekanntesten Werke des erst nach seinen Lebzeiten zu Ruhm gekommenen Musikers sind vermutlich das Forellenquintett (Klavierquintett D. 667 in A-Dur) und der Liederzyklus Die schöne Müllerin D. 795. Er wurde erst im Jahr 1888 in ein Ehrengrab der Stadt Wien überführt und ruht heute in Grab 28.

Johann Strauss Jr. (1825 – 1899)

Photo: Dr. Bernd Gross/Wikimedia

Der Sohn des anderen berühmten Strauss (Johann Senior, der auch am Zentralfriedhof gefunden werden kann), war der wohl bekannteste Komponist von leichter Musik, Tänzen und Operetten. Er schrieb über 500 Walzer, Polkas und Quadrillen und war in seiner Rolle als „Walzerkönig“ beinahe allein für die Popularität des Walzers im Wien des 19. Jahrhunderts verantwortlich. Seine bekanntesten Werke sind die Operette Die Fledermaus, sowie der Donauwalzer. Johann Strauss Junior liegt in Grab 27.

Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)

Photo: Invisigoth67/Wikimedia

Beethoven war ein weiterer deutscher Komponist der in Wien seine größte Berühmtheit erfuhr. Er war einer der essentiellen Figuren, die den Übergang von Klassik in die Romantik eingeläutet und vorangetrieben haben, und wird als einer der, wenn nicht der alleinig einflussreichste und großartigste Komponist aller Zeit gesehen. Der Erschaffer von neun Symphonien, fünf Klavierkonzerten, einem Violinkonzerts, zweiunddreißig Klaviersonaten, sechzehn Streichquartetten, zwei Messen und der Oper Fidelio verlor über die Jahre mehr und mehr an Gehör und verstarb schließlich völlig ertaubt. Er ist am bekanntesten für seine letzte Symphonie, die berühmte Neunte (9. Sinfonie in d-Moll op. 125), und für Für Elise (Klavierstück a-Moll WoO 59), das wohl jeder Klavierschüler zumindest ein Mal in seinem Leben spielt, und kann heute in Grab 29 besucht werden.

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)

Photo: Photo: Toffel/Wikimedia

Als einer der einflussreichsten Komponisten der Klassik fand Mozart erst nach seinem Umzug aus Salzburg in Wien zu größten Ehren. In seiner extrem kurzen Lebensspanne von nur 35 Jahren komponierte er über 600 Musikstücke, von denen eine große Anzahl als die unumstrittenen Höhepunkte symphonischer, konzertanter und choraler Musik, sowie von Kammermusik und Oper gelten. Sein unglaubliches Schaffen beinhaltet Publikumslieblinge wie Die Zauberflöte, Die Hochzeit des Figaro und Don Giovanni. Mozart verstarb viel zu früh nur ein paar Monate nachdem er die Premiere der Zauberflöte dirigierte. Die genaue Todesursache ist bis heute heiß umstritten (Forscher haben über 100 potentielle Todesursachen zur Debatte gestellt). Das musikalische Genie wurde am Friedhof St. Marx begraben und liegt bis heute in seinem ursprünglichen Grab. Am Zentralfriedhof befindet sich mit Grab 55 eine der schönsten Erinnerungsstätten für den großen Künstler.