Tipps und Tricks für Austauschstudenten und Studienanfänger in Wien

Wien ist mit rund 130 000 Studenten jährlich eine der größten Universitätsstädte Europas. Und so besteht kein Zweifel, dass die Stadt ein grandioser Ort dafür ist einen Teil seiner oder die gesamte Studienzeit in Wien zu verbringen – und zwar ganz egal, ob man sich für eine öffentliche oder eine private Universität oder eine Fachhochschule entscheidet.

Wie in jeder anderen Universitätsstadt gibt es aber auch in Wien einige Hürden, die es für Austauschstudenten zu überwinden gilt ehe du dein Studium antreten kannst. Und wenn diese gemeistert sind, dann warten auf alle Studienanfänger ein paar verwirrende Begriffe und Abkürzungen, die den Studienanfang viel komplizierter erscheinen lassen können, als er tatsächlich ist.

Und deshalb haben wir hier für dich eine praktische Liste der besten Tipps und Tricks, die dir vor und während des Studienanfangs das Leben leichter machen, zusammengestellt:

Uni Einschreibung

Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ist die Entscheidung darüber, an welcher der vielen Universitäten Wiens du studieren möchtest, der schwerste und wichtigste Abschnitt auf deiner Reise zum erfolgreichen Studienbeginn.

Sobald du dich für eine Uni entschieden hast, beginnt der wahre Einschreibungs-Prozess erst so richtig. Welche Schritte genau du für eine erfolgreiche Immatrikulation (also Uni-Einschreibung) zu tun hast und welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen variiert leicht von Uni zu Uni und hängt auch davon ab, in welcher Form (z.B Austauschstudent via Erasmus, ordentlicher Student, etc.) du in Wien studieren willst.

Der beste Ort, um alle Voraussetzungen und notwendigen Schritte in Erfahrung zu bringen ist die Homepage deiner auserwählten Uni. Alle Fragen, die dir dort nicht beantwortet werden, sowie genauere Infos über Fristen, Prozesses oder möglicherweise benötigte Referenzen, kannst du bei den Internationalen Büros sowie den Studien Service Stellen deiner erwählten Uni oder deines Institutes erfragen.

In manchen Fällen kann eine (online) Vorregistrierung für (Austausch-) Studenten notwendig sein. Und bedenke bitte auch, dass einige Studienrichtungen einen bestandenen Eignungstest, welcher in vielen Fällen schon Monate vor Semesterbeginn stattfindet, verlangen!

Wohnsitz in Wien melden

Für alle, die für das Studium nach Wien ziehen gilt, dass sie sich innerhalb von 3 Tagen nach Ankunft bzw. Einzug an ihrer neuen Adresse melden müssen. (Das Selbe gilt übrigens auch bei Umzügen innerhalb der Stadt!)

Die Meldung des Wohnsitzes erfolgt in einer der 18 Meldeservice Stellen, die in den meisten Fällen direkt im Bezirksamt gefunden werden können. Alle Adressen, sowie die Option, online die derzeitigen Wartezeiten abzufragen, findest du hier.

Dokumente

Während der Anmeldung wirst du zwei Dokumente vorweisen müssen:

  • Einen vollständig ausgefüllten Meldezettel, den du hier zum download findest. Der Meldezettel muss von dir, sowie von deinem Vermieter unterschrieben werden. (Im Fall, dass du nur Untermieter bist (z.B. in einer WG) reicht die Unterschrift des Hauptmieters.)
  • Ein oder mehrere offizielle Dokumente, die alle relevanten Informationen (Vor- und Nachname, Familienname vor der ersten Ehe, Geburtsdatum, Geburtsort, Geschlecht, Staatsbürgerschaft) bestätigen (z.B. Reisepass und Geburtsurkunde); ausländische Staatsbürger benötigen zusätzlich ihr gültiges Reisedokument/Visa oder die aktuelle Karte aus dem Asylverfahren.

Gebühren:

Die Meldung des Wohnsitzes ist grundsätzlich gratis. Sobald der Prozess abgeschlossen ist, erhältst du eine Meldebestätigung. Benötigst du Kopien dieser Meldebestätigung (z.B. für einen Arbeitgeber) fallen Kosten zwischen ca. 3 und 20€ (Berechnung beruht auf einer Vielzahl an Faktoren) an.

EU/EEA Staatsbürger

Wenn du aus einem EU/EEA Staat stammst und planst für mehr als drei Monate in Österreich zu bleiben, musst du dich zusätzlich innerhalb dieser drei Monate um eine Anmeldebescheinigung kümmern.

ECTS Punkte

Solltest du (im Laufe des letzten Jahrzehnts) schon einmal an einer europäischen Universität studiert haben, dann bist du ECTS Punkten schon begegnet. Für alle anderen, ein kurzer Überblick:

ECTS (European Credit Transfer and Accumulation System) Punkte wurden ursprünglich als eine Maßnahme, die das Anrechnen von Auslandssemestern (hauptsächlich via Erasmus) erleichtern sollte, eingeführt.

Heute benützen alle europäischen Universitäten das System, was letztendlich heißt, dass Studieren in Europa nicht nur vergleichbar geworden ist, sondern Auslandserfahrungen und die Anrechnung der dort erbrachten Leistungen kein Problem mehr darstellt.

Im Grunde geht es bei ECTS darum, dass du für jede erfolgreich abgeschlossene Vorlesung, Übung, Seminar und sogar für Praktika ECTS Punkte erhältst. (Ein ECTS steht für 25 bis 30 Wochenstunden Arbeit bzw. Lernen, je nach dem, wo in Europa du studierst). Als Faustregel gilt, dass du ca 60 ECTS pro Jahr erreichen solltest wenn du Vollzeit studierst. Für einen Bachelor benötigst du meistens 180 ECTS, für einen Master weitere 120.

StEOP

Das erste, was dir bevorsteht, wenn du dein Studium an einer öffentlichen Uni antrittst, ist die StEOP.

Die Abkürzung steht für Studien Eingangs- und OrientierungsPhase und beschreibt praktisch ein verkürztes erstes Semester, das Studienanfängern einen Einblick in die Themenbereiche und Anforderungen der gewählten Studienrichtung geben sollte.

In Wahrheit ist so manche StEOP eine (wenig) versteckte Chance, die Zahl der Studienanfänger zu verringern. Wer nicht genug Zeit hat, um adäquat für die (drei oder vier) Prüfungen, die man nach gut 2 Monaten bestehen muss, zu lernen, oder vielleicht einfach manchmal ein wenig länger braucht, bis er Konzepte versteht und anwenden kann, der wird sich in manchen Fällen gnadenlos fühlen.

Und während es wirklich wichtig ist zu verstehen, dass das Nichtbestehen der StEOP rein garnichts über deine Erfolgschancen im restlichen Studium, geschweige denn über deine Eignung als Student aussagt, so solltest du dir auch im Klaren sein, dass du nur vier Mal zur StEOP antreten darfst. Bestehst du keinen dieser Antritte, musst du drei Semester warten, ehe du dich wieder versuchen darfst. (Als kleiner Hinweis: du kannst innerhalb dieser drei Semester an jeder anderen österreichischen Uni zur StEOP im selben Fach antreten und könntest nach Bestehen theoretisch einfach Uni wechseln….)

Ist der Prozess fair? Nicht immer. Ist die StEOP schaffbar? Für einen Großteil der Studenten, meistens, ja – sie brauchen nur vielleicht ein oder zwei Anläufe mehr als andere.

Vorlesungen, Kurse, Abkürzungen

Hast du die StEOP dann endlich hinter dich gebracht und kannst dich voller Tatendrang ins eigentliche Studium stürzen, wartet auch schon die nächste Komplikation auf dich: das Vorlesungsverzeichnis und seine kryptischen Abkürzungen.

Aber keine Sorge, wir haben hier die wichtigsten Begriffe, die du kennen musst zusammengefasst:

 VO  Vorlesung typischerweise Frontalunterricht in dem der Vorlesende zu den Studenten spricht; (zumeist) große Gruppen; sehr geringe Interaktion (wenn es sie überhaupt gibt); für jeden zugänglich
 VU  Vorlesung mit integrierter Übung  eine Mischung aus Vorlesung und praktischen Übungen, die als Zwischenprüfungen abgeprüft werden; (zumeist) große Gruppen; meistens mit Anmeldung, aber grundsätzlich für jeden zugänglich
 UE  Übungkleine Gruppe; Ziel ist es, grundlegendes Wissen und Können, das während der gesamten Studiendauer gebraucht wird, zu vermitteln; Noten basieren meist auf Mitarbeit, Gruppenarbeiten, Referaten, Hausaufgaben und/oder einem Abschlusstest; Anmeldung erforderlich
 PS  Proseminar kleine Gruppe; Ziel ist es, tiefer in bestimmte Themengebiete einzutauchen; hilft die notwendigen Werkzeuge und Techniken für Forschung zu erlernen; aktive (zeitlich und thematisch sehr begrenzte Forschung); Noten basieren meist auf Mitarbeit, Referaten, und/oder einer Seminararbeit; Anmeldung erforderlich
SESeminarkleine Gruppe; Ziel ist es, ein bestimmtes Thema vertiefend zu behandeln; aktive (begrenzte) Forschung; Noten basieren meist auf Mitarbeit, Referaten und einer Seminararbeit; Anmeldung erforderlich

Anmeldung (Übung, Seminar, etc.)

Beinahe jede Kursart, die keine Vorlesung ist, erfordert eine online Anmeldung. Im Normalfall findet in jeder Studienrichtung im Monat vor Semesterbeginn eine ca. zweiwöchige Anmeldephase statt (die genauen Daten findest du auf deiner Institutshomepage). Generell gesagt kannst du dich während dieser Zeit unter Zuhilfenahme der 1000 Präferenzpunkte, die dir pro Semester zur Verfügung stehen, für deine gewünschten Kurse und Seminare anmelden. Die Punktevergabe ist dafür gedacht, Präferenzen was Kurstage, Kurszeiten oder Lehrende angeht anzugeben.

Dies ist besonders bei Kursen (typischerweise UE und PS), die für alle Studenten Pflichtveranstaltungen sind ein wichtiges Werkzeug, um in den gewünschten Kurs zu kommen. Diese Pflichtveranstaltungen werden oft mit einer Reihe von Parallelveranstaltungen angeboten und nur ein cleverer Einsatz deiner Punkte stellt sicher, dass du dort landest, wo du auch hin willst.

Darum solltest du dir schon vor der ersten Anmeldephase bewusst sein, dass deine Chancen in alle gewünschten Kurse zu kommen geringer sind, wenn du z.B. drei Kurse besuchen willst und daher nur maximal 333 Punkte per Anmeldung setzen kannst. Du kannst deine Chancen maximieren, indem du pro Anmeldung 500 Punkte oder mehr setzt. Und du kannst mit großer Wahrscheinlichkeit sicher sein, in den einen gewünschten Kurs zu kommen, wenn du deine gesamten 1000 Punkte auf einmal setzt. Letzteres ist vor allem dann interessant, wenn du z.B. genau weißt, wo/bei wem du deine Bachelor-Arbeit schreiben willst und auf keinen Fall in einem anderen Seminar landen willst.

Was aber wenn du die Anmeldephase verpasst? Keine Panik! In den allermeisten Fällen gibt es eine zweite Anmeldephase, in der übriggebliebene Plätze in den Seminaren noch einmal vergeben werden.

Und wenn du dich rechtzeitig angemeldet hast, aber entweder zu wenig Punkte gesetzt hast, oder der Andrang einfach zu groß war und du auf der Warteliste gelandet bist? Ebenfalls kein Grund zur Panik! Als ersten Schritt besuchst du bei jedem Kurs, auf dessen Warteliste du stehst, die erste Einheit (und wenn es Parallelveranstaltungen gibt für die du dich nicht angemeldet hast, kannst du auch dort einfach vorbei schauen) – sollte jemand, der einen Platz ergattert hat in der ersten Einheit fehlen, rücken Studenten auf der Warteliste nach – aber nur, wenn sie physikalisch anwesend sind! Und falls du so kein Glück hast, wartet auch auf dich die zweite Anmeldephase. Vielleicht gibt es ja ein andere Seminar oder eine andere Übung, die du erst in einem Folgesemester machen wolltest, wo aber noch Plätze frei sind?